Desorganisiertes Wohnen, pathologisches Horten, Messie-Syndrom
195,00 Euro
Sehr geehrte Fortbildungsinteressierte,
Menschen mit einem Messie-Syndrom oder mit pathologischem Horten stellen Fachkräfte in Betreuung, Wohnungsverwaltung und sozialen Diensten vor komplexe fachliche und rechtliche
Herausforderungen. Der Umgang mit vermüllten Wohnungen, Gefährdungen für Hausgemeinschaften, Fragen der Kündigung, Grenzen der Hilfe und Möglichkeiten interdisziplinärer Zusammenarbeit verlangt ein belastbares Verständnis von Rechtsprechung, Hilfesystemen und praktischen Interventionswegen.
Der Fachtag, der 2026 zum zweiten Mal stattfindet, greift diese Spannungsfelder auf und verbindet juristische Orientierung mit psychosozialer Einordnung und praxisnahen Kooperationsansätzen. Ziel ist es, die unterschiedlichen professionellen Perspektiven zusammenzuführen und Handlungssicherheit im
Umgang mit schwierigen Fallkonstellationen zu stärken.
Die Teilnehmenden erhalten einen fundierten Überblick über aktuelle rechtliche und fachliche Einordnungen des Themenfelds. Sie lernen, problematische Fallverläufe besser zu analysieren, Zuständigkeiten realistischer einzuschätzen und Kooperationsbeziehungen zwischen Betreuung, Wohnungswirtschaft und
Hilfesystemen gezielter zu gestalten. Der Fachtag fördert damit nicht nur Fachwissen, sondern auch die gemeinsame Entwicklung tragfähiger Handlungsstrategien im Umgang mit hochbelasteten Wohn- und Lebenssituationen.
Das Team des kbw. freut sich, Sie zu dieser Tagung live oder online begrüßen zu dürfen.
Ihre
Ulrike Urbich
Geschäftsführerin kbw
Referent:innen
Pathologisches Horten: Psychologische und psychosoziale Perspektiven
- Grundlagen des pathologischen Hortens: Definition, Symptomatik sowie Abgrenzung zu anderen Formen von Verwahrlosung und Sammelverhalten
- Typische psychische Hintergründe und Komorbiditäten (z. B. Störungen aus dem Zwangsspektrum, affektive Erkrankungen oder Traumafolgestörungen) sowie deren Bedeutung für den Hilfeprozess
- Beleuchtung zentraler psychologischer Mechanismen wie Ambivalenz, Scham, Vermeidung und Kontrollverlust aus der Perspektive der Betroffenen - und warum Hilfsangebote häufig nur schwer angenommen werden
- Überblick über bewährte psychotherapeutische und psychosoziale Interventionsansätze, darunter strukturierende Hilfen, aufsuchende Unterstützung, Expositionsbehandlung, Einkaufstraining, kognitive Umstrukturierung und motivierende Gesprächsführung
- Einordnung der Rolle verschiedener Hilfesysteme (z. B. Messie-Beratungsstellen, sozialpsychiatrische Dienste und Selbsthilfeangebote) sowie ihrer Schnittstellen zur Wohnungswirtschaft und zu gesetzlichen sowie ambulanten Betreuungsangeboten
Wenn die Tür zu bleibt - Rechtliche Grenzen und Handlungsmöglichkeiten beim Betreten von Wohnungen
- Die Wohnung als geschützter Raum: Hausrecht; Privatsphäre und der Schutz der Wohnung nach Art. 13 Grundgesetz
- Einwilligung und Zutrittsverweigerung: Wer darf den Zutritt erlauben - und was gilt, wenn die betroffene Person „Nein“ sagt?
- Wer darf wann hinein? Befugnisse und Grenzen von: Sozialdiensten, Ordnungsbehörden, Polizei, Feuerwehr, rechtlicher Betreuung, Vermietenden
- Gefahr im Verzug und akute Gefährdung (Wann kann eine Wohnung auch gegen den Willen der betroffenen Person betreten werden?)
- Typische Grenzfälle der Messiehilfe: Rechtssicheres Handeln zwischen Selbstbestimmung, Schutzauftrag, Gefahrenabwehr und praktischer Hilfe
Grundlagen des desorganisierten Wohnens aus sozialarbeiterischer Sicht
- Grundlagen und Erscheinungsformen des desorganisierten Wohnens - Sozialarbeiterische Einschätzung der Situation
- Grundlagen der sozialarbeiterischen Intervention
- Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge
- Grundlagen der Finanzierung
- Leistungsansprüche und Antragstellung
- Finanzielle Schnittstellen und Grenzen
- Vorgehen und sozialarbeiterisches Konzept
- Kooperation und Case Management
Fallbesprechung: Desorganisiertes Wohnen zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie
- Vorstellung eines anonymisierten Praxisfalles anhand von Bildern und schrittweise hinzukommenden Informationen
- Gemeinsame Einschätzung der Wohnsituation: Was ist sichtbar, was ist dringend und welche Risiken bestehen?
- Sozialarbeiterische Fallanalyse: Wohnraumsicherung, finanzielle und soziale Situation, Gesundheit, Selbstversorgung, Ressourcen und Unterstützungsbedarf
- Entwicklung eines konkreten Handlungskonzeptes: Was muss zuerst passieren, welche Ziele sind realistisch und welche Maßnahmen können gemeinsam mit dem Betroffenen umgesetzt werden?
- Umgang mit Widerstand, Scham, fehlender Krankheitseinsicht oder Ablehnung von Hilfe
Tagungsort
Berliner Allee 125
D-13088 Berlin
Tel. +49 (0) 30 - 29 33 50 – 0
Tel. +49 (0) 30 - 29 33 50 – 39