Fachtag
Themenbereich: Seminare zum SGB XII und zu angrenzenden Gesetzen
Desorganisiertes Wohnen, pathologisches Horten, Messie-Syndrom - Handlungssicherheit gewinnen im Zusammenspiel von Recht und Soziale Arbeit - Fachtagung zu interdisziplinären Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten für rechtliche Betreuung, Wohnungswirtschaft und soziale Träger
Schwerpunkte
- (Vorläufige Tagesordnung - Stand der Konzeption 28. August 2026 - Änderungen vorbehalten.)
Messie-Syndrom und pathologisches Horten Psychologische und psychosoziale Perspektiven
- Hinter vermüllten Wohnungen stehen in der Regel komplexe psychische und psychosoziale Problemlagen, die sich nicht mit „Unordnung" oder „Faulheit" erklären lassen. Ein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Muster von pathologischem Horten, Desorganisation und komorbiden Störungen ist für alle Akteure wichtig, um Verhalten realistisch einzuschätzen und angemessene Hilfen anbieten zu können. Gleichzeitig hilft es, unrealistische Erwartungen an schnelle Veränderungen zu relativieren und eigene Handlungsmöglichkeiten und -grenzen klarer zu sehen.
Schwerpunkte des Vortrages
- Grundzüge des Messie-Syndroms und pathologischen Hortens: Definitionen, Symptomatik, Abgrenzung zu anderen Formen von Verwahrlosung und Sammelverhalten.
- Typische psychische Hintergründe und Komorbiditäten (z.B. Zwangsspektrum, affektive Störungen, Traumafolgen) und ihre Bedeutung für den Hilfeprozess.
- Psychodynamik von Ambivalenz, Scham, Vermeidung und Kontrollverlust aus Sicht der Betroffenen - warum Hilfe häufig nur schwer angenommen wird.
- Überblick über bewährte psychosoziale und therapeutische Ansätze (z.B. strukturierende Hilfen, aufsuchende Unterstützung, motivierende Gesprächsführung).
- Einordnung der Rolle von Hilfesystemen (z.B. Messie-Beratungsstellen, sozialpsychiatrische Dienste, Selbsthilfe) und Schnittstellen zur Wohnungswirtschaft und Betreuung.
Messies im Spiegel der Rechtsprechung
- Die Rechtsprechung zum Messie-Syndrom hat in den letzten Jahren deutlich an Umfang gewonnen und spiegelt die wachsende praktische Relevanz von Verwahrlosung und pathologischem Horten in Miet- und Eigentumsverhältnissen wider. Für Vermieter, Wohnungseigentümergemeinschaften, rechtliche Betreuer und soziale Dienste ist es entscheidend zu wissen, wo Gerichte die Grenzen zwischen hinnehmbaren Besonderheiten und erheblich nachteiliger Nutzung ziehen. Nur wer die rechtlichen Leitplanken kennt, kann Konflikte frühzeitig einordnen, Eskalationen vermeiden und im Ernstfall rechtssicher handeln.
- harten Realität persistierender struktureller Unterfinanzierung - eine Spannungslage, die der Referent in seinem Vortrag kritisch analysiert.
Schwerpunkte des Vortrages
- Überblick über zentrale Rechtsgebiete: Mietrecht, Wohnungseigentumsrecht, Ordnungs- und Sozialrecht im Kontext des Messie-Syndroms.
- Typische Fallkonstellationen der Rechtsprechung: Messie-Mieter, Messie-Wohnungseigentümer, Gefährdung der Bausubstanz, Belästigung der Nachbarn, Brand- und Gesundheitsgefahren.
- Voraussetzungen und Grenzen von Abmahnung, fristloser und ordentlicher Kündigung sowie Räumungsklagen bei messiebedingten Wohnverhältnissen.
- Bedeutung von Dokumentation, Beweisführung und Kommunikation mit Betroffenen und beteiligten Diensten im Lichte der Gerichtsentscheidungen-
- Einordnung sozialrechtlicher Aspekte (z.B. Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten, Kostenübernahme für Entrümpelung) in den rechtsprechungsbezogenen Gesamtzusammenhang.
Rollen, Pflichten und Spielräume der Akteure
- Messie-Fälle sind selten das Problem eines einzelnen Akteurs, sondern entstehen im Spannungsfeld von Vermietern, Betreuern, sozialen Trägern und Behörden. Unklare Rollenbilder, unterschiedliche Erwartungen und unzureichende Absprachen führen schnell zu Konflikten, die auf dem Rücken der Betroffenen und der Hausgemeinschaft ausgetragen werden. Die Klärung von Pflichten, Grenzen und Kooperationsmöglichkeiten ist deshalb eine zentrale Voraussetzung für professionelles und rechtskonformes Handeln.
- harten Realität persistierender struktureller Unterfinanzierung - eine Spannungslage, die der Referent in seinem Vortrag kritisch analysiert.
Schwerpunkte des Vortrages
- Rechte, Pflichten und Handlungsspielräume der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (Obhutspflicht des Mieters, Durchsetzung von Hausordnung, Abmahnung, Kündigung).
- Aufgabenverständnis und Grenzen rechtlicher Betreuung bei Messie-Fällen (Unterstützung vs. Stellvertretung, Verantwortung für Wohnverhältnisse, Haftungsfragen).
- Rolle sozialer Dienste (z.B. Wohnungslosenhilfe, Eingliederungshilfe, sozialpsychiatrische Dienste) und ihre Möglichkeiten, Unterstützung mit ordnungsrechtlichen Anforderungen zu verbinden.
- Typische Konfliktlinien zwischen den Beteiligten (z.B. „zu spät informiert", „zu wenig getan", „zu viel Druck") und deren strukturelle Ursachen.
- Ansätze für klare Kommunikations- und Kooperationsstrukturen, z.B. Vereinbarungen zu Information, Zuständigkeit und Eskalationswegen.
Kosten, Finanzierung und Leistungsansprüche in Messie-Fällen
- Entrümpelungen, Reinigungen, Übergangsunterbringungen, Hilfen zur Strukturierung des Wohnens und sozialpädagogische Unterstützung verursachen zum Teil erhebliche Kosten. In der Praxis ist häufig unklar, wer welche Leistungen beantragen kann, ob und wann Sozialleistungsträger Kosten übernehmen und wie Vereinbarungen mit Betroffenen gestaltet werden sollten.
Schwerpunkte des Vortrages
- Überblick über relevante sozialrechtliche Leistungen (z.B. Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten, Eingliederungshilfe, Leistungen nach SGB II/XII) im Kontext von Messie-Fällen.
- Möglichkeiten und Grenzen der Kostenübernahme für Entrümpelung, Reinigung, Umzug, Wohnraumsicherung; Anforderungen an Anträge, Nachweise und Begründungen.
- Vereinbarungen mit Betroffenen: Selbstbeteiligung, Ratenzahlungen, verbindliche Absprachen zur Mitwirkung und Nachbetreuung.
- Finanzierungs- und Kooperationsmodelle zwischen Wohnungsunternehmen, Trägern sozialer Dienste und Kommunen (z.B. Projektmittel, Pauschalvereinbarungen, Modellprojekte).
- Umgang mit Rückforderungen, Schadensersatzforderungen und offenen Mietforderungen im Spannungsfeld von ökonomischen Zwängen und Hilfeorientierung.
Podiumsdiskussion Kooperation in der Praxis - Fallbeispiele und Good Practic
Tagungsort
- Bildungs- und Kulturzentrum "Peter Edel", Berliner Allee 125, 13088 Berlin (Online-Teilnahme via Zoom möglich)
- Teilnahmegebühren
- $195,00 € bis vier Wochen vor Tagungsbeginn; danach 250,00 €
Für das Tagungskonzept Dr. Andreas Urbich
Menschen mit einem Messie-Syndrom oder mit pathologischem Horten stellen Fachkräfte in Betreuung, Wohnungsverwaltung und sozialen Diensten vor komplexe fachliche und rechtliche Herausforderungen. Der Umgang mit vermüllten Wohnungen, Gefährdungen für Hausgemeinschaften, Fragen der Kündigung, Grenzen der Hilfe und Möglichkeiten interdisziplinärer Zusammenarbeit verlangt ein belastbares Verständnis von Rechtsprechung, Hilfesystemen und praktischen Interventionswegen.
Der Fachtag greift diese Spannungsfelder auf und verbindet juristische Orientierung mit psychosozialer Einordnung und praxisnahen Kooperationsansätzen. Ziel ist es, die unterschiedlichen professionellen Perspektiven zusammenzuführen und Handlungssicherheit im Umgang mit schwierigen Fallkonstellationen zu stärken.
Die Teilnehmenden erhalten einen fundierten Überblick über aktuelle rechtliche und fachliche Einordnungen des Themenfelds. Sie lernen, problematische Fallverläufe besser zu analysieren, Zuständigkeiten realistischer einzuschätzen und Kooperationsbeziehungen zwischen Betreuung, Wohnungswirtschaft und Hilfesystemen gezielter zu gestalten. Der Fachtag fördert damit nicht nur Fachwissen, sondern auch die gemeinsame Entwicklung tragfähiger Handlungsstrategien im Umgang mit hochbelasteten Wohn- und Lebenssituationen.
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessenten, die mit dem Messie-Problem in Berührung kommen, z.B. rechtliche Betreuerinnen und Betreuer, Mitarbeitende von Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und Vermieterseite, Fachkräfte sozialer Träger, Mitarbeitende aus sozialpsychiatrischen, ordnungsrechtlichen und psychosozialen Arbeitsfeldern
keine
Organisatorische Fragen zu freien Teilnehmerplätzen, Anreise, Hotelbuchungen, etc. beantwortet Ihnen unser Kundenservice.
Telefon: (030) 29 33 50 0
E-Mail: info@kbw.de
Termine
CODE 1216SOGT26
16.12.2026
09:00 bis 16:00 Uhr
195,00 €
Hybrid